3. Erinnerungen an die Kreisgruppe Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg
 

Wolfgang Bonfert

Nach Gründung des Landesverbandes Saarland der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen im Februar 1957, also kurz nach der politischen Rückgliederung des Saarlandes, entwickelten sich zunehmend enge Beziehungen der im Saarland lebenden Landsleute zu der sehr aktiven Kreisgruppe Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg, deren Leitung seit ihrer Gründung im Jahre 1953 Gustav Adolf Schwab innehatte.

Der aus Hermannstadt stammende Büchsenmachermeister war ein siebenbürgisches "Urgestein"; er hatte die Kreisgruppe mit Unterstützung seiner Frau Maria und einiger aktiver Landsleute (Truetsch, Roppelt, Schmidts u. a.) gegründet und rasch zu einem Zentrum landsmannschaftlicher Arbeit im Rhein-Neckar-Raum, zwischen Pfälzer Wald und Odenwald, entwickelt.

Meine erste "offizielle" Begegnung mit G. A. Schwab und der Kreisgruppe Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg erfolgte in meinem ersten Amtsjahr als stellvertretender Vorsitzender der Landesgruppe Saarland am 27. Oktober 1962 anlässlich der Feier "10 Jahre Kreisgruppe Mannheim Ludwigshafen Heidelberg" in Mannheim. Es sollten noch sehr viele Begegnungen im Laufe der Jahre folgen, ob nun bei Großveranstaltungen der Kreisgruppe (Muttertagsfeiern, Waldfesten, Kultur- und Vortragsveranstaltungen, Erntedankfesten, Martini und Kathreinenbällen, Weihnachtsfeiern) oder auch bei Sachgesprächen und Arbeitssitzungen zur Abstimmung der Aktivitäten und Unternehmungen der Verbände im organisatorischen, sozialen und kulturellen Bereich.

Die bedeutendste und weithin bekannteste jährlich wiederkehrende und eigentlich immer erfolgreiche große Veranstaltung der Kreisgruppe Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg ist in meiner Erinnerung das Sommer-Waldfest, vor allem solange es auf dem TUS-Sportplatz im Birkenauer Tal bei Weinheim /Bergstraße abgehalten wurde. Aus Südhessen, Nordbaden, der Pfalz und dem Saarland strömten die Gäste in Scharen zu dieser Veranstaltung. Es waren jedesmal viele Jugendliche und Kinder dabei, für die immer viel geboten wurde, auch zum Mitmachen: Topfzerschlagen, Sackhüpfen und Eierlaufen für die Kleinen sowie Gespräche, Tombola, Tanzvorführungen, Tanz und Blasmusik für die Großen. Für die Hungrigen gab es Tokana, Mititei, Holzfleisch und andere Spezialitäten sowie ausreichend "Mädchentraube".

Jährlich wiederkehrend, veranstaltete die Kreisgruppe Muttertagsfahrten und Kurzreisen, z.B. nach Luxemburg, Österreich oder zu Zielen in Nord und Süddeutschland. Zu den Heimattagen in Dinkelsbühl organisierte die Kreisgruppe regelmäßig Busfahrten und brachte oft ganze Trachtengruppen zu dem Treffen. G. A. Schwab pflegte die Teilnehmer rapportmäßig anzumelden, wie etwa "Kreisgruppe Mannheim Ludwigshafen-Heidelberg mit drei Bussen und 130 Teilnehmern, 30 davon in Tracht, zur Stelle!"

Auch ließ er es sich nicht nehmen, zum Abschluss des Heimattages am Pfingstmontag im Garten der Gaststätte "Roter Hahn" exzellentes Holzfleisch den Ehrengästen höchstpersönlich aufzutragen. Er trug dabei eine kurze weiße Schürze mit der Aufschrift "Meister am Werke". Das traditionelle Holzfleischessen am Pfingstmontag in Dinkelsbühl wurde von seinem Nachfolger Johann Wester noch einige Jahre weiter zelebriert. Erntedankfeste, Vortragsveranstaltungen und Mitgliederversammlungen wurden anfänglich meist im Eichbaum-Stammhaus und in anderen Lokalen der Innenstadt Mannheims durchgeführt, bis man dann aus Platz- und Parkplatzgründen bei größeren Veranstaltungen in den "Roten Ochsen" nach Mannheim-Neckarau wechselte.

So wie die Kreisgruppe Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg durch ihre Aktivitäten und ihre Ausstrahlung in andere Bereiche landsmannschaftlichen Lebens eine besondere Stellung einnahm, so war auch ihre Organisationsform bis 1986 eine besondere: sie war "grenzüberschreitend". Die Kreisgruppe umfasste Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg (Mannheim, Heidelberg, Hockenheim, Schwetzingen, Ladenburg, Weinheim) und in Rheinland-Pfalz (Ludwigshafen, Speyer, Neustadt, Bad Dürkheim, Frankenthal, Worms).

 Der Kreisgruppenvorsitzende G. A. Schwab aus Mannheim (BW) war von 1974 bis 1983 gleichzeitig auch Vorstandsmitglied der Landesgruppe Rheinland-Pfalz /Saarland und von Dezember 1983 bis zu seinem Tode am 19.08.1984 Vorsitzender der Landesgruppe Rheinland-Pfalz / Saarland. Erst im Januar 1987 wurde die Gebietsübergreifende Aufteilung geändert. Die gebietsmäßig zu Rheinland-Pfalz gehörenden Orte wurden der Kreisgruppe Vorder- und Südpfalz in der Landesgruppe Rheinland-Pfalz /Saarland zugeteilt, während die badischen Orte in der Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg, Landesgruppe Baden-Württemberg verblieben.

Auch nach der Neugliederung der Kreisgruppe und deren Etablierung als Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg wurde die Arbeit sowie die guten Traditionen von den Verantwortlichen unter der Leitung von Johann Wester zum Wohle der Landsleute und ihrer Gemeinschaft fortgeführt. Herausragende Ereignisse dieser Zeitspanne in der Entwicklung der Kreisgruppe waren die Aufführung des Singspiels "Bauernhochzeit in Siebenbürgen" durch die Kreisgruppe Heilbronn im Mannheimer Kongreßzentrum "Rosengarten" am 26. Oktober 1965, die Organisation und Durchführung der "Siebenbürgischen Kulturtage" vom 6. bis 28. März 1987 und deren Eröffnung am 7. März 1987 im Rittersaal des Mannheimer Schlosses, sowie die Feier des 44-jährigen Bestehens der Kreisgruppe am 5. Oktober 1997 mit dem Festkonzert "Bach Beethoven Brahms" durch das Jugendsinfonieorchester Bruchsal unter der Leitung des Hermannstädters Heinz Acker, Professor an der Musikhochschule Heidelberg/Mannheim.

Und jetzt feiern wir das 50 jährige Jubiläum der Kreisgruppe: 50 Jahre, das bedeutet vielfachen Einsatz der ehrenamtlich in der Kreisgruppe Tätigen für die Menschen, die ihre angestammte Heimat verlassen haben, um Heimat in Freiheit zu finden, für Menschen, die neu anfangen mussten, sich und ihren Familien Existenzen aufzubauen und sich in ihrer Urheimat zu intregieren. Es bedeutet aber auch unermüdlichen Einsatz für die Pflege der in über 800 Jahren in Siebenbürgen geschaffenen Kulturleistungen, die Pflege von Brauchtum und gewachsenen Traditionen in einer neuen Umwelt. Dies ist der Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg in beispielhafter Weise gelungen.

Aufgrund der zu den Menschen und zu den Einrichtungen des neuen Lebensraumes geschaffenen guten Kontakten wurden und werden die Anstrengungen zur Bewältigung der Aufgaben von den Behörden, Institutionen und der breiten Öffentlichkeit unterstützt und somit zum Erfolg begleitet. Möge die Einsatzbereitschaft der Mitglieder für ihre siebenbürgisch-sächsischen Belange und für die Mitwirkung am Gemeinwesen der neuen Lebensbereiche auch in Zukunft eingebracht werden!

 


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