4. Erste Treffen in Heidelberg

Gerhard Truetsch

In der ersten Zeit nach dem Krieg, als unsere Landsleute noch nach Verbindungen suchten, nach Gemeinschaften, wie wir sie in der Heimat gewohnt waren, kam es zu ersten Treffen, die später zu unseren Kreisgemeinschaften wurden.

Ende Dezember 1949 kam ich aus Sibirien, wo ich fast fünf Jahre "als Gast des großen russischen Volkes" verbracht hatte, nach Heidelberg. Schon Anfang 1950 erfuhr ich, dass eine gute Bekannte aus Kronstadt in Heidelberg lebt; ich besuchte sie und hörte von ihr, dass noch mehr Siebenbürger Sachsen in Heidelberg sind und dass bereits ein Versuch gemacht worden war, diese Landsleute zusammenzuführen.

Ein erstes Treffen in der Sakristei einer Kirche blieb jedoch ohne Erfolg. Nachdem ich einige Landsleute kennen gelernt hatte, fassten wir den Entschluss, uns regelmäßig zu treffen. Zunächst erfolgte die Einladung durch Mundpropaganda; wir trafen uns damals einmal monatlich im Nebenzimmer einer Gastwirtschaft in der Heidelberger Hauptstraße.

Informationsaustausch war in der damaligen Zeit am wichtigsten, ein festes Programm gab es damals noch nicht. Im Laufe der Gespräche erfuhren wir dann, dass in Mannheim bereits eine Gruppe bestand. Ich nahm die Verbindung zu Gustav Adolf Schwab, der diese Gruppe leitete, auf und konnte von ihm einiges erfahren, z.B. dass sich in München die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen und das Hilfskomitee konstituierten und dass auch in Stuttgart eine Landesgruppe im Aufbau war.

Die Verbindung zu diesen Institutionen war nun wichtig, da man von dort Informationen, z.B. über den Vertriebenenausweis, den Lastenausgleich usw. erhalten konnte. Bald darauf wurde der Entschluss gefasst, die lose Verbindung in Heidelberg in eine ordentliche Kreisgruppe umzuwandeln. Die Mitglieder wurden namentlich erfasst, erhielten regelmäßig Einladungen zu unseren Veranstaltungen und Informationen über die benachbarten Kreisgruppen.

Inzwischen war die Gruppe Weinheim unter Robert Schuller dazugekommen. Die Zahl der Teilnehmer war bald auf über 30 Personen angewachsen. Aus den informativen Treffen wurden allmählich Programmabende, gesellige Veranstaltungen, wie Faschingsabende, Weihnachtsfeiern usw. Die Verbindung zu Mannheim und Weinheim wurde enger, eine erste gemeinsame Veranstaltung war ein Waldfest in Weinheim, dem in den folgenden Jahren noch viele folgten. Sie fanden großen Anklang, da Landsleute selbst aus Frankfurt, Kaiserslautern, Karlsruhe und anderen Orten zu diesen Festen kamen.

Um effektiver arbeiten zu können, wurden die Gruppen Mannheim, Heidelberg und Weinheim zu einer Einheit zusammengeschlossen. Gustav Adolf Schwab wurde zum Vorsitzenden gewählt; Robert Schuller und Gerhard Truetsch fungierten als Stellvertreter. Die hier aufgewachsene Jugend kann sich wohl kaum vorstellen, wie wichtig diese Einrichtung für uns war, für Menschen, die es gewohnt waren, in einer Gemeinschaft zu leben und die nun, fern der Heimat, sich zurechtfinden mussten.

 


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