5. So fing alles an ....

Ute Welker, geborene Schwab

Auch wenn ich noch ein Kind war, aber ich erinnere mich noch sehr gut an die Sternstunden der Kreisgruppe vor 50 Jahren. Es war Gustav Adolf Schwab, der in Mannheim die Kreisgruppe ins Leben rief. Zusammen mit seinem Stellvertreter Gerhard Truetsch gab der erste Kreisvorsitzende Gustav Adolf Schwab bei den verschiedenen Veranstaltungen unseren Landsleuten ein Stück Heimat zurück.

Bei unseren Landsleuten, die gerade die Schrecken des Krieges, der Flucht und den Verlust der alten Heimat hinter sich hatten, konnte man oft Tränen der Rührung in den Augen schimmern sehen. Geborgenheit und Stunden der Erinnerung gaben die Heimatabende, die einmal monatlich in Mannheim und in Heidelberg stattfanden. Feste, die an die Tradition der alten Heimat anbanden, wurden wieder ins Leben gerufen.

Das fing mit dem ersten Waldfest an, das damals am Gossenbrunnen in Leimen in der Gaststätte unseres Landsmanns Georg Lutsch stattfand. Der Duft von Mititei und Holzfleisch lockte viele Landsleute an und rief liebe Erinnerungen an die alte Heimat wach. Eierlaufen, Topfzerschlagen und Sackhüpfen wurde für unsere Kleinen angeboten. Der Kathreinenball, auch ein Erbe aus der Heimat, sorgte mit Musik und Tanz für die fröhliche Seite in der landsmannschaftlichen Arbeit.

Starb ein Mitglied der Kreisgruppe, begleitete der Vorsitzende den Verstorbenen auf seinem letzten Weg und legte einen Kranz mit einer rot blauen Schleife am Grab nieder. Besuche der Gräber an Allerheiligen mit Niederlegung eines kleinen Gebindes sowie die Weihnachtsfeiern erinnerten an besinnliche Momente in unserem Leben.

Bei den Weihnachtsfeiern erhielten unsere älteren Landsleute eine kleine Aufmerksamkeit, während unsere Kinder vom Nikolaus beschenkt wurden. Die Weihnachtsfeiern wurden zum größten Teil von unseren Kleinsten gestaltet, die Gedichte vortrugen. Eine Kindergruppe, geleitet von Ute Schwab, führte kleine Tänze vor. Die Mädchen - mal als Schneeflöckchen oder Pilze - und die Jungs als kleine Zwerge stampften durchs Programm.

In den Anfängen der Kreisgruppe bedeutete das Treffen im Kreise der Landsleute ein Stück wiedergewonnener Heimat. Ich weiß noch, mit wie viel Liebe und Hingabe diese Feste von dem Kreisvorsitzenden, seiner Familie und den vielen fleißigen Mithelfern vorbereitet wurden. Es waren nicht nur die traditionellen Waldfeste, Kathreinenbälle und Weihnachtsfeiern, im Laufe der Jahre kamen auch andere Veranstaltungen, wie Frühlingsbälle und Faschingsbälle dazu.

Die Faschingsveranstaltungen fanden für die Erwachsenen, für die Jugendgruppe und für die Kinder jeweils getrennt statt, wobei für die Kinder Spiele und lustige Vorführungen auf dem Programm standen. Unvergeßlich bleiben die Fahrten im Laufe der Jahre, ganz voran natürlich unser Heimattreffen in Dinkelsbühl. G. A. Schwab organisierte immer einen oder mehrere Busse sowie Quartiere für die Teilnehmer der drei Heimattage in Dinkelsbühl. Er rief das "Holzfleischessen" im Garten des "Roten Hahn" ins Leben; Jahr für Jahr war es Tradition, sich dort zu treffen. Es war schon ein Geheimtipp unter den Landsleuten geworden, dass die Kreisgruppe dieses Holzfleischessen veranstaltete. Erwähnen sollte man auch, dass der uns allen bekannte Lehrer Georg am Pfingstmorgen G. A. Schwab vor dem "Roten Hahn", dem Quartier des Kreisvorsitzenden, mit dem Trompetenständchen "Die Post im Walde" weckte. Diese nette Geste wurde in all den Jahren ein fester Bestandteil der Stunden in Dinkelsbühl.

Es wurden auch Dia-Abende organisiert, an denen die Aufnahmen der unzähligen von der Kreisgruppe organisierten Ausflüge gezeigt wurden - Fahrten mit Bus oder Schiff durch Deutschland und ins nahe Ausland, wie Frankreich, Luxemburg und die Niederlande. Der Kreisvorsitzende rief auch den Frauen-Kaffeenachmittag ins Leben.

Einmal im Monat trafen sich unsere Frauen zu einem gemütlichen Kaffeeklatsch in Mannheim und in Heidelberg. Maria Schwab war damals Frauenreferentin und gestaltete die Nachmittage. Es wurde nicht nur Kaffee getrunken und Kuchen gegessen, sondern die fleißigen Hände der Frauen bestickten auch Tischdecken mit Siebenbürger Mustern - der Stolz der ganzen Kreisgruppe!

Bei allen Veranstaltungen wurden sie ausgelegt. Zur Arbeit in der Kreisgruppe gehörte auch das Verschicken von Geburtstagskarten an alle Landsleute, die im Laufe der Jahres Geburtstag hatten. Wenn ein Baby in der Kreisgruppe auf die Welt kam, bekam es aus den Händen des Kreisvorsitzenden seine ersten "Patscherl" geschenkt, natürlich in der richtigen Farbe - rosa oder blau.

Bei Hochzeiten wurde dem Brautpaar ein Blumenstock überreicht. Auch der Mütter wurde liebevoll gedacht: jedes Jahr wurde zu Ehren der Mütter eine "Fahrt ins Blaue" veranstaltet. Am Ziel der Fahrt ehrte man die Mütter in einer kleinen Feierstunde und überreichte ihnen einen kleinen Blumenstock.

Viele unserer Kreisgruppenmitglieder traten auch immer wieder bei Veranstaltungen anderer Landsmannschaften in Tracht auf. Außerdem fanden Ausstellungen der Volkstracht und Handarbeiten in Mannheim statt. Geprägt wurden all die Jahre durch die Wärme und Geborgenheit, die der erste Vorsitzende G. A. Schwab bei allen Veranstaltungen den Landsleuten vermittelte. Dabei gelang es ihm vielleicht auch deshalb so überzeugend, ein Stück Heimat für die Landsleute zurückzuholen, weil sein Herz, so lang er lebte, immer für Siebenbürgen und die Siebenbürger Sachsen schlug.

 


Seite drucken Truetsch Schuller Seitenanfang

© Copyright: Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg
E-Mail: info@siebenbuerger-ma-hd.de
Internet: www.siebenbuerger-ma-hd.de
startseite
design: lauer