8. Rückblick

Johann Wester

Nach zwölf Absagen und jahrelangen Bemühungen wurde unser Antrag auf Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland endlich genehmigt. So kamen wir mit meiner Frau und unseren zwei Söhnen im März 1974 am Frankfurter Flughafen an und fuhren - nach einem kurzen Aufenthalt im Nürnberger Durchgangslager und weiteren zehn Tagen im Rastatter Übergangswohnheim - nach Mannheim.

Von Anfang an war uns bewusst, dass es die Landsmannschaft, Männer und Frauen der ersten Stunde waren, die es ermöglicht hatten, dass wir nach Ankunft in Deutschland ein Dach über dem Kopf erhielten sowie die Möglichkeit, einen Arbeitsplatz zu finden, um neu anzufangen. Daher war es für uns eine Selbstverständlichkeit, diesem Verband, ohne den es keine Unterstützung für unsere Landsleute gegeben hätte, beizutreten. So sind wir schon nach wenigen Tagen, im April 1974, in die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen eingetreten.

Schon in den ersten Wochen und Monaten haben uns die Aktivitäten der Kreisgruppe, wie Heimatnachmittage, Auftritte der Trachtengruppe - auch an den Heimattagen in Dinkelsbühl -, wo bis in die 90-er Jahre ein Grillfest am Pfingstmontag im Garten des Gasthauses "Roter Hahn" von der Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg organisiert wurde, Waldfeste, Muttertags-, Erntedank- und Weihnachtsfeiern und andere Veranstaltungen sehr beeindruckt.

Wir konnten feststellen, dass durch diese Zusammenkünfte das Zusammengehörigkeitsgefühl unserer Landsleute gestärkt wurde, was gerade am Anfang von großer Bedeutung war, wenn man wie wir im Wohnheim zu viert in einem Zimmer mit drei Betten untergebracht ist und noch nicht weiß, wie es weiter geht.

Schon ein Jahr später, nach einigen Gesprächen mit meinem Vorgänger und langjährigen Kreisvorsitzenden Gustav Adolf Schwab, haben meine Frau und ich schon beim Waldfest 1975 mitgeholfen und ab diesem Zeitpunkt, bis auf eine kurze Unterbrechung, bei jeder Veranstaltung aktiv mitgearbeitet. In dieser langen Zeit meiner landsmannschaftlichen Tätigkeit, von 1975 bis 2003, standen der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen fünf Bundesvorsitzende und in Baden-Württemberg fünf Landesvorsitzende sowie vier kommissarische Landesvorsitzende vor.

Für mich galt und gilt immer der Grundsatz, dass die gewählten Amtsträger, auch jene auf Bundes- und Landesebene, im Dienste unserer Mitglieder stehen und nicht umgekehrt. Dies habe ich in all den Jahren - von 1975 bis ins Jubiläumsjahr - beherzigt. Was mich zu dieser Arbeit in der Landsmannschaft - von 1975 bis 1979 als aktiver Mitarbeiter, von 1979 bis 1984 als Stellvertretender Kreisvorsitzender und seit Oktober 1984, bis auf eine kurze Unterbrechung, als Kreisvorsitzender, sowie von 1994 bis 1997 auch als Stellvertretender Vorsitzender des BdV-Kreisverbandes Mannheim - bewegt hat, ist die Tatsache, dass ich Zeit meines Lebens mich für unsere Landsleute eingesetzt habe.

Dafür hatte ich im Laufe der Jahre viele Möglichkeiten, u.a. bei den regelmäßigen Besuchen in den Übergangswohnheimen. Die Namen der neu eingetroffenen Spätaussiedler erhielt ich anfangs von der Landesgeschäftsstelle Stuttgart, später vom Leiter des Übergangswohnheimes. Allein in Mannheim waren es bis zu zwölf Wohnheime, dazu kamen mehrere in Heidelberg und noch einige in der näheren Umgebung. An dieser Stelle danke ich allen Aussiedlerbetreuern unserer Kreisgruppe für ihre Unterstützung im Laufe der vielen Jahre. Zu den regelmäßigen Besuchen in den Wohnheimen kamen Behördengänge, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, Krankenbesuche und vieles mehr. Sogar Arbeitsplätze und Wohnungen konnten wir vermitteln, worüber ich mich besonders freue. Außerdem konnten wir die neuangekommenen Landsleute in vielen Angelegenheiten beraten, und vor allem sie wissen lassen, dass es hier eine Gemeinschaft gibt, die sich jederzeit für ihre Probleme und ihre Interessen einsetzt.

Mir war auch von Anfang an klar, dass man als Ehrenamtlicher auf viel Freizeit und viele private Unternehmungen verzichten muss. Da es uns aber immer gelungen ist, kompetente Leute in den Vorstand der Kreisgruppe zu wählen und zuverlässige Mitarbeiter für die Arbeit der Kreisgruppe zu gewinnen, mit denen ich in all den Jahren sehr gut und gerne zusammen gearbeitet habe, konnte ich auf deren tatkräftige Unterstützung bauen. Dazu kommt, dass meine Frau mir die ganze Zeit über zur Seite gestanden hat. Dafür danke ich ihr ganz herzlich. Ohne die Unterstützung meiner Familie hätte ich diese für mich sehr wichtige Aufgabe nicht bewältigen können.

Außerdem möchte ich es nicht unerwähnt lassen, dass man in diese Arbeit hineinwächst. Ich habe sie in all den Jahren mit viel Hingabe geleistet und keine Mühe gescheut, wenn es um das Wohl unserer Landsleute ging. Ich habe mein Amt als Vorstandsvorsitzender einer großen Kreisgruppe als eine Herausforderung und Verpflichtung angesehen und glaube, dass ich den Anforderungen gerecht geworden bin. Für mich hatte und hat die landsmannschaftliche Tätigkeit immer Vorrang - ob bei privaten Angelegenheiten oder der Urlaubsplanung. Daher bin ich sehr bemüht, kompetente Nachfolger für diese Arbeit zu finden, die die Interessen unserer Mitglieder auch in Zukunft würdig vertreten. Neben den vielen Veranstaltungen, Ausstellungen und Tätigkeiten unserer Kreisgruppe, möchte ich die Paketaktionen hervorheben.

Die 80er Jahre waren geprägt von Hilfeleistungen für unsere Landsleute in Siebenbürgen. Während den Weihnachtsfeiern reichte ich Listen unter den Landsleuten im Saal herum, wo Anschriften von Bedürftigen in Siebenbürgen eingetragen wurden. Daraufhin haben wir, meine damaligen Vorstandskolleginnen und -kollegen, zahlreiche meist selbst gepackte Lebensmittelpakete zur Post gebracht und nach Siebenbürgen gesandt. Möglich wurde dies durch die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung im Rhein-Neckar-Raum aufgrund eines Spendenaufrufs in mehreren lokalen Zeitungen. Die vielen erschütternden Dankesbriefe, die wir von den Empfängern dieser Pakete erhielten, waren für uns eine Bestätigung, einen kleinen Beitrag zur Linderung der Not in Siebenbürgen geleistet zu haben.

Ganz besondere Erlebnisse sind die Begegnungen mit Menschen; diese Erlebnisse machen das Leben erst recht lebenswert und zeigen immer wieder aufs neue, wie wichtig unsere Veranstaltungen und Zusammenkünfte für die Integration unserer Landsleute waren und noch sind.

 


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