Grußworte vom Bundestagsabgeordneten und Stadtrat

Prof. Dr. Egon Jüttner (CDU)

Sehr geehrter Herr Rampelt, meine Damen und Herren,
ganz herzlich möchte ich mich im Namen unseres Oberbürgermeisters und des Gemeinderates der Stadt Mannheim für die Einladung zum 60-jährigen Bestehen der Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg des Verbandes der Siebenbürger Sachsen bedanken und Ihnen zum Jubiläum gratulieren. Es freut mich, heute zu Ihnen sprechen zu dürfen, denn als Sudentendeutscher teile ich selbst, was den Verlust der Heimat betrifft, Ihre Geschichte. Zudem bin ich als Mitglied der Arbeitsgruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion auch mit dem Schicksal und den Sorgen und Nöten der Siebenbürger Sachsen vertraut.

 

Meine Damen und Herren, der heutige Festtag und die vergangenen 60 Jahre Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg sollen Ansporn sein, den Blick sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft zu richten. Dabei sollten wir den Blick nicht nur auf die große Zahl der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und im Einzugsgebiet der Kreisgruppe beschränken, sondern ihn auch auf das historische Siedlungsgebiet richten, das sicherlich die meisten von Ihnen noch als „Heimat“ bezeichnen. Heimat ist, wo man geboren ist, wo man lebt, wo man sich geborgen fühlt.

Als vor 60 Jahren die Kreisgruppe gegründet wurde, lag die erste größere Ausreisewelle aus Siebenbürgen, die durch die Wirren des Zweiten Weltkrieges hervorgerufen wurde, bereits einige Jahre zurück. Die Jahre gegen Ende des Krieges und dem Beginn der kommunistischen Machtübernahme in Rumänien kamen für die Siebenbürger Sachsen einer Tragödie gleich, deren Höhepunkt sicherlich die Verschleppung tausender Landsleute zur Zwangsarbeit in das Donezbecken oder sogar bis in den Ural war. Trotz schwerster Unterdrückungen und harter Repressalien blieben aber die jahrhundertealten Traditionen und Bräuche in den Dörfern und Städten Siebenbürgens erhalten. Diese Liebe zur Tradition, diese Treue zum Brauchtum zeichnet die Siebenbürger Sachsen auch heute noch aus. Das zeigt sich auch hier bei uns; Beispiele sind das Heimatmuseum auf der Burg Horneck bei Gundelsheim und natürlich auch die Dauerausstellung „Deutsche Kultur in Siebenbürgen“ im Neckarauer Rathaus hier in Mannheim. Ihre Eltern, Ihre Großeltern, Ihre Verwandten, Sie, meine Damen und Herren, Sie haben den Südwesten Deutschlands mitaufgebaut. Sie haben oft Hab und Gut zurückgelassen und Sie haben hier im Westen Deutschlands die Ärmel im wahrsten Sinne des Wortes hochgekrempelt und sich durch Fleiß und Anstand eine neue Existenz aufgebaut. Dafür möchte ich Ihnen meine Anerkennung und meinen Respekt aussprechen.

Nachdem vor allem seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine sich wieder verstärkende Ausreisewelle einsetzte, die insbesondere durch Familienzusammenführungen hervorgerufen wurde und durch das Abkommen zwischen Rumänien und der Bundesrepublik Deutschland über einen kontinuierlichen Auswanderungsfluß bestärkt wurde, kann eindeutig das Jahr 1989 als Wendepunkt in der Geschichte der Siebenbürger Sachsen gesehen werden. Als auch die Bürger in den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang endlich in den Genuß ihrer bürgerlichen Freiheiten kamen, verließen bis auf knapp 20.000 fast alle Siebenbürger Sachsen das Siedlungsgebiet ihrer Vorfahren. Als Folge wuchsen die Kreis- und Landesgruppen der Siebenbürger Sachsen hier in Deutschland, so auch die Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg.

Die Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg entwickelt beachtliche Aktivitäten. Die bereits erwähnte Dauerausstellung „Deutsche Kultur in Siebenbürgen“ im Neckarauer Rathaus ist nur ein Zeichen dieses Engagements. Viele Veranstaltungen sind über die Jahre Tradition geworden, wie etwa der Faschingsball, die Muttertagsfahrt oder der Martini- und Kathreinenball, um nur einige Beispiele zu nennen. Für viele Mitglieder gehört auch die Teilnahme am jährlich in Dinkelsbühl stattfindenden Heimattag der Siebenbürger Sachsen dazu. Besonders beeindruckt mich, daß es in Mannheim - wie in vielen Kreisgruppen und natürlich auf Bundes- und Landesebene - Jugendgruppen gibt. Solange die jungen Siebenbürger Sachsen sich in den Heimatgruppen engagieren, wird ihre Kultur nicht verloren gehen, auch wenn 95 % ihrer Landsleute nicht mehr in Siebenbürgen leben.

Dem Zusammenhalt über Landesgrenzen hinweg dient vor allem der internationale siebenbürgisch-sächsische Jugendaustausch unter dem Motto „Aus siebenbürgischen Familien – in siebenbürgische Familien“. Gerade auch zwischen Deutschland und Rumänien sind Sie, meine Damen und Herren, unverzichtbare Brückenbauer geworden. Das gilt sowohl im Verhältnis zu Rumänien als Staat als auch zu den dort verbliebenen Landsleuten und ihrer Dachorganisation, dem Demokratischen Forum des Deutschen in Rumänien. Dank der verbesserten Situation und dank des engen Zusammenhaltes der Siebenbürger Sachsen hier in Deutschland und nicht zuletzt dank des regen Engagements der Jugend sehe ich keine Gefahr, daß die Traditionen und Bräuche der Siebenbürger Sachsen verlorengehen.

Die Verbundenheit Mannheims mit der Kreisgruppe der Siebenbürger Sachsen kam in der Vergangenheit auf vielfältige Weise zum Ausdruck. Sie strahlt weiterhin in die Gegenwart und, so hoffe ich, in die Zukunft hinein. In diesem Zusammenhang erinnere ich an die Siebenbürgischen Kulturtage im Jahre 1987, die unter der Schirmherrschaft des damaligen Oberbürgermeisters Gerhard Widder standen, oder an die Feier des 50-jährigen Jubiläums vor zehn Jahren, aus dessen Anlaß am 22. März 2003 eine Linde im Bürgerpark in Feudenheim gepflanzt wurde. Vielen Mannheimern begegnet der Begriff „Siebenbürgen“ täglich dank der Siebenbürger Straße, durch welche die Stadtteile Vogelstang und Wallstadt miteinander verbunden werden.

Diese Straßenbezeichnung geht auf die Bemühungen des langjährigen Vorsitzenden und jetzigen Ehrenvorsitzenden der Kreisgruppe, Johann Wester, zurück, der heute abend unter uns ist. Hierdurch und durch Ihr Wirken im Alltag unserer Stadt, meine Damen und Herren, bleiben die Erinnerung und die Traditionen und Bräuche der Siebenbürger Sachsen lebendig.

Sehr geehrter Herr Rampelt, meine sehr geehrten Damen und Herren, ich danke der Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg für ihre großartige Arbeit und wünsche ihr auch weiterhin für die Zukunft. eine erfolgreiche Entwicklung.
 

 


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