Interview mit dem Südwestfunk und RPR - Ludwigshafen anlässlich der bevorstehenden Kulturtage:
05. März - 6.10 Uhr: Südwestfunk - telefonisches Interview mit Herrn Gerard Truetsch
05. März -13.30 Uhr: Südwestfunk - persönliches Interview mit Frau von Friedeburg und Hans Wester
06. März 12.05 Uhr: RPR Ludwigshafen - persönliches Interview mit Frau von Friedeburg und Hans Weste
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Hans Wester im
Interview mit dem Südwestfunk am 05.03.1987

wurde am Morgen des 06.03.1987 im Radio wiedergegeben

 

„Die vor mehr als 800 Jahren nach Siebenbürgen gerufenen deutschen Aussiedler wuchsen erst in ihrer neuen Heimat zum Stamm der „Siebenbürger Sachsen“ zusammen, der seine Mundart, aber vor allem die hochdeutsche Sprache, seine Sitten und Bräuche, die mitgebrachten Trachten, bis zum heutigen Tag bewahrte.

In der Geschichte der Siebenbürger Sachsen war es ein ständiger Kampf um physisches Überleben und ein Ringen um den stammesmäßigen Fortbestand. Die Geschichte verlangte anhaltende seelische Widerstandkraft, geistige Energie und beständige Opferbereitschaft.

Die gleiche Geschichte brachte aber auch vorbildliche organisatorische, wirtschaftliche, künstlerische, bildungsmäßige und kirchliche Leistungen, deren Erbe unser gegenwärtiges, kulturelles und menschliches Reichtum begründet.

Den Bedrohungen bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts, Naturkatastrophen, Überfälle, Kriege - kein einziger von den Siebenbürger Sachsen angezettelt, Feuer und Pestilenz, folgten im 19. Jahrhundert politische Bedrängnisse. 1867 Verlust der Rechts- und Verwaltungsautonomie, Magyarisierung usw. Ungelöste nationale und soziale Probleme häuften sich immer mehr.

Der Anschluss an Rumänien 1918/19 engte namentlich die sozialen, nationalen und erzieherischen Belange der Sächsischen Nation weiter ein.

Nach dem zweiten Weltkrieg und unter dem folgenden kommunistischen Regime büßten die Siebenbürger Sachsen ihre kulturelle Freiheit dann endgültig ein. Nach der Zwangsverschleppung in die UDSSR verloren sie ihr angestammtes Schulwesen, dazu ihren Grund und den gesamten Besitz. Man verfälschte ihre Geschichte und missachtete ihr elementares ethisches Lebensrecht.

Die Sachsen wurden „Vertriebene in ihrer eigen Heimat“, Fremde auf eigener Scholle, Gedemütigte im eigenen Haus. Schließlich, um dem Volkstod zu entgehen, begann die Auswanderung gegen ein hohes Kopfgeld.

Daher haben wir, die Siebenbürger Sachsen, es uns zur Aufgabe gemacht, altes Brauchtum lebendig zu erhalten. Das heißt; „Das kulturelle, geschichtliche und wissenschaftliche Erbe, Sitten und Bräuche unserer Vorfahren zu retten, aufrecht zu halten, zu pflegen und an die kommende Generation weiter zugeben“. Aus diesem Grunde sind wir sehr dankbar, dass uns die Möglichkeit gegeben wurde, diese Kulturtage in Mannheim zu veranstalten. Es wäre sehr schade, wenn deutsche Kultur immer mehr verfallen würde. „Brauchtum, Tradition und damit Kultur entwickelt sich wie ein Organ und ist demnach wichtig für unser Leben“, so drückte es Nobelpreisträger „Konrad Lorenz“ aus. Je mehr Trachten und Bräuche ein Volk hat, umso reicher ist es. Mit dem vielseitigen Programm der bevorstehenden Kulturtage wollen wir uns der Bevölkerung Mannheims und des Rhein-Neckar-Raums vorstellen. Ich hoffe und wünsche, dass uns dies gelingt.

In Siebenbürgen selbst ist der Untergang der deutschen Volksgruppe schon lange vorprogrammiert worden. Daher gibt es zur Auswanderung, will man als Deutscher weiter bestehen, keine Alternative.

Wir sind dankbar, dass wir von der Bevölkerung des Rhein-Neckar-Raumes so freundlich aufgenommen werden. Dadurch wird uns die Eingliederung erleichtert und wir fühlen uns nicht als Fremde, sondern sehr bald zu Hause“.                                         

 


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