Die Schwetzinger Zeitung schrieb am 02. März 1990

 

Ausstellung „Deutsche Kultur in Siebenbürgen“

 


Guter Einblick in Kunst und Brauchtum

Fundierte Informationen und leckere Spezialitäten zur Eröffnung „Deutsche Kultur in Siebenbürgen“ - so heißt eine sehr interessante Ausstellung, die, die Schwetzinger Kultur- und Heimatstube in Zusammenarbeit mit der Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen im Rahmen der Kulturwochen des Rhein-Neckar-Kreises veranstaltet. Seit gestern können sich Interessierte in der Kundenhalle der Bezirkssparkasse anhand von Anschauungstafeln, alten Trachten, Fotos, Schmuck und Keramik über die Kultur der Siebenbürger-Sachsen informieren. Alle Ausstellungstücke sind eine Leihgabe des Siebenbürgischen Museums in Gundelsheim. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage vom Heidelberger Blechbläser-Quartett.

Als „ganz besonders“ bezeichnete Sparkassendirektor Helmut Moser die Ausstellung „Deutsche Kultur in Siebenbürgen“, da sie einem breiten Kreis der Bevölkerung Einblick in das künstlerische Schaffen in Siebenbürgen gebe. Als Initiatorin dieser Ausstellung hieß Moser besonders Franziska Ullmann willkommen, die durch ihre Vertriebenenbetreuung deren Brauchtum stets in Erinnerung halte.

Auf die jüngsten politischen Entwicklungen in Deutschland ging Oberregierungsrat Dr. Siegfried Schwab als Vertreter des Rhein-Neckar-Kreises in seinem Grußwort ein. Obwohl durch die Politik der Bundesregierung die Wiedervereinigung in greifbare Nähe gerückt sei, könne man dennoch in der Bevölkerung eine „pseudofaustische Unruhe“ erkennen, denn viele Bürger machten sich Sorgen um die enormen Kosten, die mit einer Wiedervereinigung verbunden seien.

Hans Wester

Nach einem Musikvortrag des Heidelberger Blechbläserquartetts informierte der Kreisvorsitzende der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen, Hans Wester, in einem fachlich sehr fundierten Vortrag über die Entwicklung der Siebenbürger Sachsen und deren Kultur. Die Siebenbürger Sachsen seien Nachkommen von Siedlern, die der ungarische König Geisa II. im 12. Jahrhundert aus dem Moselfränkischen, aus dem Luxemburger Raum und aus dem Kölner Erzbistum zum Schutz seines Reiches nach Siebenbürgen gerufen habe.

Nachdem sich ihnen Deutsche aus allen Landstrichen angeschlossen haben, hätten sie, so Wester, nicht nur ihre landwirtschaftlichen Kenntnisse und ihre organisatorischen Fähigkeiten nach Siebenbürgen gebracht, sondern auch ihre Sprache, ihre Bräuche und kirchlichen Traditionen.

Im Laufe der Jahre seien die „Sachsen“ dann zu einer politischen Gemeinschaft, zu einem deutschen Neustamm inmitten einer fremden Umwelt herangewachsen. In vielen Städten hätten die Siebenbürger Sachsen Zünfte gegründet, ein eigenständiges Schulwesen errichtet und erfolgreichen Handel bis in den Vorderen Orient getrieben.
Als die Türken gegen Ende des 14. Jahrhunderts nach Siebenbürgen eingefallen seien, hätten die ungarischen Könige die Kraft der sächsischen Städte erkannt und sie unterstützt.

Nach der Reformation sei das höhere Schulwesen neu geordnet worden und schon 1550 sei die „Kirchenordnung aller Deutschen in Siebenbürgen“ für das ganze Sachsenland zum Gesetz erhoben worden.

Anni Wester

Nachdem Ende des 17. Jahrhunderts die Türkengefahr gebannt worden war, sei Siebenbürgen ein Kronland der europäischen Großmacht Österreich geworden, bis es dann 1919 Rumänien angegliedert worden sei, erklärte Wester. Am Ende des Zweiten Weltkrieges seien rund 40 000 Siebenbürger Sachsen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert worden, den überlebenden Kriegsteilnehmern sei die Rückkehr in ihre Heimat Verwehrt worden. Somit habe eine Massenauswanderung nach Deutschland eingesetzt, wo heute etwa 150 000 Siebenbürger Sachsen leben.

Von links: Hans Wester, Grete Schiffbäumer, Jutta Kelp, Traute Schuller, Barbara Hamsea
 

Nach einigen Ausführungen zu dem Siebenbürgischen Museum in Gundelsheim, das die Ausstellungsgegenstände zur Verfügung gestellt hatte, ging Wester noch kurz auf die Entwicklung des Handwerks der Siebenbürger Sachsen ein, die sich schon sehr früh der Keramikverarbeitung und Glaserzeugung widmeten. Besondere Tradition hätten die Volkstrachten, von denen in der Ausstellung einige Beispiele zu sehen sind.

Abschließend bedankte sich Franziska Ullmann bei allen, die es ermöglicht hatten, dass diese sehenswerte Ausstellung stattfinden konnte und auch Helmut Moser schloss sich diesem dank in seinem Schlusswort an.
Nach dem offiziellen Teil hatten die Besucher noch ausreichend Gelegenheit, sich die Ausstellungsobjekte bei einem Glas Sekt und Siebenbürger Spezialitäten anzuschauen.

Die Ausstellung ist noch bis 21.März 1990 zu den Öffnungszeiten der Bezirkssparkasse Schwetzingen, Mannheimer Straße 31-33, zu sehen“.
 

 


Seite drucken

Berichte

Veranstaltungen

Seitenanfang

© Copyright: Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg, 
  Internet: mailto:webmaster@siebenbuerger-ma-hd.de