Der Mannheimer Morgen schrieb am 14.05.1990

 

Ein eigener Farbtupfer

 

„Im 20. Jahrhundert scheint für die Siebenbürger Sachsen ein geschichtlicher Prozess zu enden, der sie im 12. Jahrhundert nach Transsylvanien geführt hatte. Damals wanderten Bauern und Handwerker auf Einladung des ungarischen Königs Geisa II. zum Schutz seines Reiches dorthin. Man bezeichnete die Gruppen aus dem moselfränkischen und Luxemburger Raum fälschlich als „Saxones“.

Seit einigen Jahrzehnten kehren diese Deutschen - sie bauten in fremder Umgebung ein Gemeinwesen auf, das 700 Jahre eigenständig bestehen konnte - in das Land ihres Ursprungs zurück. Ihre Integration gilt als sehr gelungen. Doch auf welche Weise kann die Gruppe ihre Geschichte bewahren? Mit einer kleinen Ausstellung über „Deutsche Kultur in Siebenbürgen“ macht die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen im Antiquitätengeschäft Hartmann (S 3, 8-9) auf dieses historische Kapitel aufmerksam. Zugleich suchen die Veranstalter einen Platz, um das Material in einer Mannheimer Institution ständig zugänglich zu machen. Als „Farbtupfer“ in einer Stadt, deren Entwicklung seit ihrem Bestehen durch den Zuzug verschiedenster Gruppen gekennzeichnet ist.

Hans Wester, Vorsitzender der Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg, erinnerte an die Siebenbürgischen Kulturtage in Mannheim. Die neuerliche Ausstellung von Bauernmalerei, Trachten, Stickereien sowie anderer Zeugnisse dieser Kultur erinnere zugleich an die noch etwa 100 000 Landsleute in Rumänien (allein 40 000 Siebenbürger Sachsen wohnen jetzt in Baden-Württemberg).

Kulturbürgermeister Lothar Mark erwähnte die jüngste Geschichte: Die kultur- und geistfeindliche Politik des gestürzten rumänischen Diktators Ceausescu habe auch die Deutschen getroffen. Dies trug ebenfalls dazu bei, dass sie in Massen das Land verließen. Mannheim sei gewiss der geeignete Ort, um eine solche Schau kultureller Überlieferung zu bewahren.

In ähnlichem Sinne äußerten sich Richard Löw als Vorsitzender der Landsmannschaft, der zugleich Anni Wester für ihren Beitrag zu dieser Ausstellung dankte und ihr das goldene Ehrenwappen überreichte.

 

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Anni Wester und Gisela Krauß/ Kulturamtsleiterin

 

Anni Hermann vom Bund der Vertriebenen äußerte ihre Sympathie für diese Gruppe ebenso wie Annemarie Hartmann, die der Schau bis August den Raum zur Verfügung stellt.

Der Mannheimer Pfarrer Hermann Schuller bekräftigte in seiner Eröffnungsansprache, das dieses Kulturerbe von Menschen bewohnt werden solle, die in Europa das früheste demokratische Gemeinwesen geschaffen und das erste allgemeine Schulpflichtgesetz eingeführt hätten.

Die allseits geforderte und im Falle der Siebenbürger Sachsen gelungene Integration bedeute ja keine zwanghafte Einordnung. Vielmehr solle eine Gemeinschaft von Menschen entstehen, die verschiedene Beiträge lieferten, aus denen insgesamt Neues und Weiterführendes entstehe“.
 

 


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