Die Rhein- Neckar- Zeitung schrieb am 04.02.1994

 

Vortrag „Siebenbürgisch-sächsische Ausstellung"
 

„Die Sachsen von Siebenbürgen" / Gutbesuchter Vortrag im Heimatmuseum Ilvesheim. Das noch relativ junge aber bildschöne Heimatmuseum Ilvesheim rückt bei den Einheimischen und auch Auswärtigen durch Sonderausstellungen immer mehr in den Blickpunkt und ins Gespräch. Schon vor der Eröffnung hatte Dr. Karin von Welck vom Reiß-Museum Mannheim gebeten, in dem jungen, im ländlichen Stil gehaltenen Museums-Neubau die musealen Erinnerungsstücke der „Siebenbürger Sachsen“ zu beheimaten.

Vor den vielen kostbaren Zeugen ihrer hohen Kultur hielt nun Hans Wester, Vorsitzender der Landsmannschaft der „Siebenbürger Sachsen“, Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg, einen hochinteressanten Vortrag, zu dem viele Landsleute und Ilvesheimer erschienen waren. Siegfried Reibetanz, einer der Ilvesheimer „Museums-Väter“, machte die Gäste mit der Entstehung des Museums und der Ilvesheimer Geschichte bekannt. Das Museums-Team hatte ihm den Vortritt gelassen. Für diese Sonderveranstaltung waren die ständigen Exponate durch Landespläne, Bilderwände, eine Frau in Tracht am Spinnrad und ein hübsches Kinderpaar in Festtracht (die aus Tradition zu allen familiären und kirchlichen Festen getragen wurde) ergänzt worden.

Hans Wester würdigte die große deutsche Kultur, die die Siedler von Rhein und Mosel vom 12. bis ins 20. Jh. hinein hochgehalten und ihre traditionellen Werte gepflegt haben, mit stolzen Worten. Aber auch die Trauer über den Exodus zurück ins Mutterland, der seit etwa 20 Jahren die stattlichen Dörfer verwaisen, die Familiengräber veröden lässt und das Gefühl „verlorener Heimat“ bei den Vertriebenen entzündet, konnte der Landsmannschafts- Vorsitzende gut vermitteln.

Die von den Magyaren-Königen im 12. Jahrhundert nach Siebenbürgen geholten Deutschen, sie hießen bald die „Sachsen“, machten durch Fleiß und Können aus dem Ödland fruchtbares Ackerland, gelangten zu Ansehen und Wohlstand. Durch alle Jahrhunderte behielten sie ihre Sprache, Schulhoheit. Ihre Kinder studierten im Westen oder ließen sich dort als Gesellen ausbilden.

Die „Nabelschnur“ wurde nie durchschnitten, weder durch Türken-Einfälle, noch durch Anschluss an Österreich 1691 oder unter der Herrschaft Rumäniens seit 1919. Der Romanisierung nach zwei Weltkriegen allerdings folgten Identitätsverlust und Enteignung, deren schleichendem „Siedlertod“ auch nicht wehrhaften Kirchen und Bauernburgen standhielten.

Flucht, die mehr Vertreibung war, setzte unaufhaltsam ein. Pfarrer Hermann Schuller, seit zwölf Jahren in Mannheim, schilderte lebhaft die Entwicklung der vor 850 Jahren mitgebrachten Mundarten als ein herübergerettetes Kulturgut und nicht - als fremden Akzent“.
 

 


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