die Rhein-Neckar-Zeitung schrieb am 26. Februar 1994

 

Die Siebenbürger Sachsen - Ausstellung im Heimatmuseum

 

„Viele interessierte Besucher kamen, als das Heimatmuseum Ilvesheim am 29.Januar seine Türen zur Ausstellung über die Siebenbürger Sachsen öffnete. Ein Gastvortrag von Hans Wester, der seit 1974 aus Siebenbürgen nach Mannheim übersiedelte, gab den Besuchern wertvolles Hintergrundwissen über Kultur und Geschichte der Siebenbürger Sachsen.

... Trotz kultureller und sprachlicher Identitätsverluste, Vertreibung und großer Not entstand im Gebiet Siebenbürgen ein eigenes Völkchen, das sein Bekenntnis zum Bürgertum und zur Abgrenzung immer bewahrte. Der Grund dafür waren „die Kraft der Bewahrung und Fähigkeit der Treue zu den Wurzeln“, drückte Hans Wester es in seinem Vortrag aus. So ist die Festtracht bis heute lebendig geblieben. Die Trachtenbräuche wurden zu allen Zeiten streng gepflegt, durch vielseitige äußere Einflüsse weiterentwickelt und schließlich nach Deutschland zurückgebracht. Mädchen tragen von klein auf Häubchen und als Jugendliche zylinderförmige Hütchen. Verheiratete Frauen hüllen sich in Schleier, während unvermählte und ältere Frauen schlichte Kopftücher tragen. Schmuckstück der Bäuerlichen Stube ist das Prunkbett und natürlich darf auch ein Spinnrad nicht fehlen. Die Sprache der Siebenbürger Sachsen ähnelt der moselfränkischen Mundart. Sie ist gekennzeichnet durch eine Abwandlung der Umlaute zu klangvolleren Worten. Gemeinsamkeiten sind bis in den luxemburgischen Raum zu erkennen.

Die Siedlungsgeschichte der Siebenbürger Sachsen begann als im 12. Jahrhundert ungarische Könige Bauern aus dem Rhein- und Moselgebiet zur Kultivierung ihres Landes abwarben. Da an Rhein und Mosel kaum mehr Ödland vorhanden war, hatte eine Ostwanderung eingesetzt. So kam es den für ihr besonderes Geschick bekannten Bauern gelegen, als Boten aus Ungarn auftauchten und ihnen gutes Land und ein Leben in Freiheit versprachen. Nach und nach siedelten sich immer mehr Bauern in dem Gebiet südlich der Karpaten an. Es entstand eine weitgehend autonome Gemeinschaft, die 1224 als eines der frühesten demokratischen Gemeinwesen mit dem Grundsatz „Eins sei das Volk“ deklariert wurde.
Bereits 1376 verfügten die Siebenbürger Sachsen über die älteste Zunftordnung und trieben Handel bis in den vorderen Orient und auch mit vielen westlichen Ländern. Zur Zeit der großen Türkeneinfälle unterstützte Ungarn den Ausbau der Befestigungsanlagen und half den Siedlern ihre Eigenständigkeit zu bewahren.

Im Zeichen der Reformation traten die Siebenbürger Sachsen zum Lutherischen Protestantismus über und beschlossen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gegenseitige Anerkennung aller religiösen Lager, was das Nationalstaatsgefühl der Siedler festigte. Nach einer Zeit großer Not durch Kriege, Seuchen, Zerstörung, Mord und Sklaverei durch Türken wurde Siebenbürgen 1691 der Großmacht Österreich unterstellt, bevor es 1867 wieder an Ungarn abgetreten und nach Beendigung des 1. Weltkrieges schließlich rumänischer Herrschaft unterstellt wurde. Die zunehmende Romanisierung des Siedlungsbodens im 2. Weltkrieg nahm den Siebenbürger Sachsen jegliche politische Rechte und löschte die nationale Identität. Mit wachsendem Einfluss der Sowjetunion und der Vertreibung unter dem Ceausescu-Regine begann eine Massenauswanderung nach Deutschland und Österreich“.
 

Die Ausstellungsstücke:
„Alle Kulturstücke aus Siebenbürgen in Heimatmuseum sind über 100 Jahre alt und typische Einrichtungsgegenstände der Bauernstube. Bewundert werden können ein Tisch mit original Katzendorfer Motiv von 1864, ein großer Schrank mit Ornamenten nach einem Patrizier-Barockschrank aus Hermannstadt, ein Krügelrahmen mit Akanthusblüten-Ornament aus Deutsch-Weißkirch sowie ein selten vorkommendes Tierornament von 1823 aus der Repser Gegend. Neben einer Karte des sächsischen Siedlungsgebietes in Siebenbürgen waren auch Fotografien der schönsten und eindruckvollsten Wehrburgen in Großau, Kronstadt, Mönchsdorf, Hermannstadt und anderen Städten zu besichtigen“.


 


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