die Siebenbürgische Zeitung schrieb 30.03.2001

"Deutsche Orden im Burzenland"

Hochinteressanter Vortrag mit Prof. Harald Zimmermann

 

Vor über 50 Landsleuten sprach der bekannte Historiker Prof. Harald Zimmermann am Sonntag, dem 11. März, im Hermann-Maas-Haus in Heidelberg über den Deutschen Orden im Burzenland. In seiner Begrüßung zählte Vorsitzender Hans Wester die vielen Ehrungen des Tübinger Mediävisten und Kirchenhistorikers auf, der auch Gründungs- und Vorstandsmitglied des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde ist.

Prof. Zimmermann berichtete von seinen zahlreichen Reisen nach Siebenbürgen, der Heimat seiner Vorfahren, wo er oft mit seinen Studenten, aber auch mit seinen Nachkommen weilte.


Hans Wester & Prof. Harald Zimmermann

Als alte Bringschuld bezeichnete er sein kürzlich erschienenen Buch „Der Deutsche Orden im Burzenland“, eine eingehende diplomatische Untersuchung der überlieferten Quellen, Papst- und Königsurkunden des 13. Jahrhunderts. Sein wissenschaftliches Werk konnte Prof. Zimmermann Vortrag leicht verständlich wiedergeben und erinnerte an die Pilgerfahrten ins heilige Land von nunmehr tausend Jahren und von den Hospitälern, die, von deutschen Adligen gestiftet, am Wegrand für die müden Pilger eingerichtet wurden. Da diese jedoch immer wieder von bewaffneten Überfällen erzählten, wollte man im Abendland einschreiten. So kam es zum ersten Kreuzzug im April 1096, ein halbes Jahr nach dem Beschluss des Papstes über ein bewaffnetes Geleit der Pilger nach Jerusalem. Trotz des siegreichen Kreuzzuges waren die Straßen nach wie vor nicht sicher, und die Pilgerzüge wurden weiterhin von Muslimen überfallen: Dies war die Geburtsstunde des deutschen Ritterordens, einer Gemeinschaft reicher deutscher Adliger, bei denen anfangs karitatives Wirken im Vordergrund stand. 1211 vom ungarischen König Andreas II. zwecks Grenzverteidigung und -ausweitung an den Karpaten sowie zur christlich-katholischen Mission in den Südosten seines Reiches gerufen, wurde der Deutsche Orden wegen seiner eigenstaatlichen Bestrebungen schon 1225 vertrieben. Vor allem der Hochmeister der Ritter im Burzenland, Hermann von Salza, hatte versucht, Siebenbürgen zu einem eigenen Kirchenstaat zu machen. Die treibende Kraft der Vertreibung des Deutschen Ritterordens war der ungarische König Bela sowie der siebenbürgische Bischof in Weißenburg, nachdem die Siebenbürger Sachsen 1224 ihren goldenen Freibrief erhalten hatten. Fortan duldeten sie die adligen Ritter nicht mehr im Burzenland, da sie zu selbstbewussten Bürgern und Bauern erstarkt waren.

Mit dem Deutschen Orden in siebenbürgischen Burzenland hat sich die deutsche, ungarische und rumänische Geschichtsschreibung seit Jahrzehnten beschäftigt; Prof. Zimmermanns Verdienst ist jedoch die Beweisführung zur Echtheit der goldbullierten Urkunde, die sorgfältige Edition aller einschlägigen Urkunden der Zeit. Interessantes Beweismaterial konnte er während seines Vortrages mit Hilfe von Dieter König auf der Leinwand vorführen.

In der Pause bewirtete der Vorstand die Landsleute mit Kaffee und Kuchen, wobei der interessante Vortrag selbstverständlich zu vielen Gesprächen anregte. Im zweiten Teil bot Prof. Zimmermann eine stimmungsvolle Lesung aus einem Buch, das es ihm seit seiner Kindheit angetan hatte und das ihm besonders lieb und wert ist, da seine Mutter es seit ihren Schultagen aufbewahrt hatte: „Die Deutschen Ritter im Burzenland“ vom Kronstädter Lehrer Wilhelm Morres um 1900 verfasst.

Abschließend sagte der heimatverbundene Gelehrte, unsere Aufgabe sei es, die Stimme Siebenbürger Sachsen stärker ins Konzert deutschen Stämme einzubringen und stolz zu erzählen, wer wir sind und wer unsere Vorfahren waren, um nicht vergessen zu werden.
 

Ilse Rampelt   


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