Der Mannheimer Morgen schrieb am 12.05.2003



Die Siebenbürger Sachsen schauen mutig nach vorn


Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg feiert das 50-jährige Bestehen /

 400 Mitglieder halten die Erinnerung an die Heimat wach

 


Der Auftakt geriet ziemlich zackig: Die Blaskapelle der Siebenbürger Sachsen schmetterte zum Beginn der Jubiläumsfeier der Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg mit viel Emphase in die Blechinstrumente. Im Mai 1953 hatten ein paar Männer mit "Löwenmut", wie Oberbürgermeister Gerhard Widder in seinem Grußwort später anerkannte, den Kurpfälzer Ableger dieser Landsmannschaft aus der Taufe gehoben. Jetzt wurde das 50-Jährige gefeiert.

Eher bedächtig und leise folgte dann der Einzug einer rund 50 Personen zählenden Trachtengruppe in die Kulturhalle Feudenheim. Schnell zeigte sich, dass diese Zurückhaltung gewollt und wohltuender Ausdruck jener Werte ist, die die Siebenbürger Sachsen schon in ihrer alten Heimat pflegten und nach ihrer Flucht und dem Neubeginn ganz selbstverständlich auch in der Rhein-Neckar-Region hoch halten: Toleranz, Liberalität und Freiheitswille.

Der langjährige Kreisgruppenlenker Hans Wester - er ist übrigens einer von nur drei Vorsitzenden in den 50Jahren und lebendiger Beweis für den Hang zur Kontinuität der Siebenbürger - resümierte nicht ohne Stolz und Genugtuung, dass die Integration seiner Landsleute, die aus dem nördlichen Teil Rumäniens nach Deutschland kamen, gelungen ist. "Der Bevölkerung des Rhein-Neckar-Raumes", so Wester in der Rückschau auf das halbe Jahrhundert, sei man "zu Dank verpflichtet".

Oberbürgermeister Gerhard Widder stand dem Vorsitzenden in dieser Einschätzung eines geglückten Zusammenlebens nicht nach und erinnerte daran, dass es vor Jahren darum ging, die politischen, rechtlichen und sozialen Belange der Siebenbürger, die durch den Krieg zum "Treibgut der Geschichte" geworden waren, wahrzunehmen. "Dieser Kraftakt der Integration ist gelungen", freute sich Widder vergaß dabei die Rolle der Einheimischen nicht: Ihre Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen, sie zu integrieren und ihnen eine neue Heimat zu geben, zähle zum "Achtungswürdigsten" der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Die Siebenbürger nehmen zwischen Deutschland und ihrer ehemaligen Heimat eine Brückenfunktion wahr, lobte Widder. Er verband damit die Hoffnung, dass sie bei der anstehenden Eingliederung osteuropäischer Länder in die EU ihre Erfahrungen einbringen und Vermittlungsaufgaben übernehmen werden. Beim Ausbau Europas könne auf sie, denen jeder "Gedanke an Rache und Vergeltung" fremd sei, nicht verzichtet werden. Schließlich hätten die Siebenbürger beim friedlichen Zusammenleben mit anderen Völkern in ihrer alten Heimat "ein gutes Beispiel für die Welt von heute" gegeben.

Ehe es ans Folkloristische und den gemütlichen Teil der Feier ging, folgten Grußworte an die etwa 400 Personen zählende Festversammlung, unter anderem sprach Volker Dürr, der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft. Mannheims Dekan Gernot Eitenmüller und Ministerpräsident Erwin Teufel grüßten schriftlich. So verpassten sie einen Auszug aus dem ersten Akt des Theaterstückes von Doris Hutter, der für Heiterkeit im Saal sorgte: "Kathi, schau nach vorn". Ein Motto, das die Siebenbürger sich längst auf ihre blau-roten Fahnen geschrieben haben.
saw.
 

 


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