Verbandstag bestätigt bewährten Kurs der Landsmannschaft

 

Der Verbandstag der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland fand am 3. und 4. Oktober 2003 im Kulturhaus Mannheim-Käfertal statt. Dem Gremium obliegt die letzte Entscheidung in grundsätzlichen Fragen, die die Gesamtheit der in Deutschland ansässigen Siebenbürger Sachsen betreffen. Die Delegierten bestätigten den Bundesvorsitzenden Volker E. Dürr im Amt, als stellvertretende Bundesvorsitzende kamen Doris Hutter und Rainer Lehni neu hinzu. Die zum Teil leidenschaftlich geführte Debatte um Inhalte und Verfahrensfragen zeigte erneut, wie lebendig der Verband ist. Die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen behält ihren Namen. Eine diesbezügliche Satzungsänderung scheiterte knapp an der nötigen Zweidrittelmehrheit.


Sehr engagiert für die Sache der Vertriebenen und Aussiedler zeigte sich Heribert Rech, Staatssekretär im Innenministerium und Aussiedlerbeauftragter der baden-württembergischen Landesregierung. In seinem Grußwort zur Eröffnung des Verbandstages lobte er die Siebenbürger Sachsen. Sie hätten eine der aktivsten Landsmannschaften.


Und: „Sie tun unendlich viel für die kulturelle Bereicherung des Landes.“ Er gratulierte zum Erfolg bei der Sicherung des Siebenbürgischen Museums in Gundelsheim, den die siebenbürgische Seite dank einer „klugen Verhandlungstaktik“ erzielt habe. Baden-Württemberg habe die Standortposition der Siebenbürger Sachsen stets dezidiert vertreten. „Ich werde Sie auf dem eingeschlagenen Weg voll unterstützen“, sicherte Rech den Anwesenden zu. Der CDU-Politiker bestätigte, dass im Bundeshaushalt 2004 eine Förderung von 489 000 Euro für das Siebenbürgische Museum vorgesehen sei. Die Arbeit der Siebenbürger Sachsen von hüben und drüben bezeichnete Rech „als unverzichtbar im Hinblick auf ein vereintes Europa“.


Das Patenland Nordrhein-Westfalen hatte erst kürzlich massive Kürzungen für den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrat angekündigt. Trotz finanzieller Engpässe, mit denen auch Baden-Württemberg konfrontiert sei, werde das Innenministerium in Stuttgart die Förderung für die kulturellen Einrichtungen in Gundelsheim fortsetzen. Die Mittel werden lediglich um 5 bis 10 Prozent im Jahr zurückgefahren, womit die Siebenbürger Sachsen „genauso gut oder schlecht behandelt werden wie die anderen“, sagte Rech.

 

Konzentrierte Arbeitsatmosphäre im Kultuhaus Mannheim-Käfertal. Foto: Robert Sonnleitner

Konzentrierte Arbeitsatmosphäre im Kulturhaus Mannheim-Käfertal. Foto: Bruss

 

Ein Grußwort von Oberbürgermeister Gerhard Widder überbrachte Dr. Frank Mentrup, Fraktionsvorsitzender der SPD im Gemeinderat Mannheim, am Samstag. Mannheim sei ein Industriezentrum mit 320 000 Einwohnern, eine weltoffene Stadt, in die sich stets neue Zuwanderergruppen integriert hätten. Er forderte die Siebenbürger auf, sich in die Stadtgeschichte Mannheims einzubringen: „Beanspruchen Sie den Teil der Stadtgeschichte, der Ihnen zusteht!“

 

Hans Wester  überreicht Herrn Dr. Frank Mentrup das Buch „50 Jahre Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg“ 

 

Der Bundesvorsitzende Volker E. Dürr ging in seiner Grundsatzrede am 3. Oktober auf die aktuellen und künftigen Schwerpunkte der landsmannschaftlichen Arbeit ein. Besonders wichtig sei die finanzielle Sicherung der Jugend- und Kulturarbeit, die Dürr als „tragende Säulen der Verbandsarbeit“ bezeichnete. Der Verband dürfe sich dabei nicht nur mit Satzungs- und Verfahrensfragen, quasi mit sich selbst, beschäftigen, sondern müsse zukunftsfähige Inhalte bieten. Dafür lieferte Dürr selbst zahlreiche Impulse in seiner Ansprache, die gekürzt in der morgigen Ausgabe dieser Zeitung veröffentlicht wird. Der Bundesvorsitzende lobte die sachlichen und informativen Beiträge, die Vorstandsmitglieder im Vorfeld des Verbandstages in der Siebenbürgischen Zeitung veröffentlicht und damit sehr gute inhaltliche Vorlagen für Diskussionen geliefert hätten. Um ihre künftigen Aufgaben umzusetzen, müsse die Landsmannschaft auch andere Organisationen und Einrichtungen für ihre Ziele gewinnen. „Die Suche und Pflege verlässlicher Partner sollten wir fortsetzen; denn nur wenn es uns gelingt, die eigenen Interessen mit denen unserer Partner zu verweben, werden wir dauerhaft Unterstützung erfahren“, betonte Dürr.


Das ehrenamtliche Engagement des Bundesvorsitzenden und vor allem die „Last des Kampfes“, die er zwecks Sicherung des Siebenbürgischen Museums in Gundelsheim getragen hatte, wurde von mehreren Rednern in Mannheim gewürdigt, darunter von Pfarrer i.R. Kurt Franchy, dem Vorsitzenden des Hilfskomitees der Siebenbürger Sachsen und evangelischen Banater Schwaben, Karin Servatius-Speck, stellvertretende Bundesvorsitzende, Bundesfrauenreferentin Anna Janesch u.v.a. Dechant Klaus Daniel, ständiger Vertreter der Heimatkirche im Bundesvorstand, dankte für die aktive Begleitung, die die Kirche in vielfacher Hinsicht durch die Landsmannschaft und andere siebenbürgische Einrichtungen erfahren habe.
Die effektive Führungsarbeit, die Volker Dürr seit 1991 als Bundesvorsitzender der Landsmannschaft leistet, war ausschlaggebend für seine Wiederwahl mit überwältigender Mehrheit am Samstagvormittag. Er erklärte sich bereit, weiter für die Gemeinschaft zu wirken, und forderte die Landsleute zur Mitarbeit auf: „Wir sind nur so stark wie die Basis stark ist.“


Kontroverse um Namensänderung
Hohe Wogen hatte tags zuvor die Debatte um eine Namensänderung geschlagen. Seinen Antrag auf Namensänderung passte der scheidende stellvertretende Bundesvorsitzende Horst Göbbel vor dem Plenum des Verbandstages an. Nicht mehr „Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V.“, sondern „Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland“ forderte Göbbel unisono mit der Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg.
 


Hans Wester zum Thema: Namensänderung

 

Mit diesem gemeinsamen Antrag wollte man die Stimmen der reformfreudigen Delegierten bündeln und die Hürde der Zweidrittelmehrheit, die für eine Satzungsänderung nötig sind, schaffen. „Geben wir der Zukunft eine Chance!“ rief Horst Göbbel den Anwesenden zu und erhoffte sich „einen neuen psychologischen Impuls“ für den Verband.


Rechtsanwalt Bernd B. Fabritius, stellvertretender Bundesvorsitzender und Vorsitzender der Landesgruppe Bayern, positionierte sich ebenfalls als Befürworter der Namensänderung. Unsere Landsmannschaft habe sich schon längst verändert, nun müsse auch der Name angepasst werden, forderte Fabritius. Ähnlich argumentierte Robert Sonnleitner, Bundesreferent für Internet und Öffentlichkeitsarbeit: „Wir haben uns schon geändert und geöffnet. Wir sind ein lebendiger Verein. Eine Namensanpassung hat Signalwirkung und damit werden wir nur dem gerecht, was wir heute schon sind.“ Der Name „Landsmannschaft“ sei in der Öffentlichkeit negativ behaftet und verursache Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden und Medien, klagten andere Delegierte. Für Richard Wagner (Düsseldorf) ist die geringe Mitgliederzahl der SJD (34) mit ein Grund, den Namen Landsmannschaft abzulegen und sich dem Nachwuchs zu öffnen.


Als vehementer Gegner einer Namensänderung meldete sich Michael Klössler (Waldkraiburg) zu Wort. Der Name Landsmannschaft biete sehr wohl „Identifikationsmöglichkeiten“. Es komme vor allem darauf an, was wir mit dem Namen tun. Manfred Huber (Freiburg im Breisgau) betonte rhetorisch gekonnt: „Wir wollen den Namen beibehalten. Er hat uns nicht gehindert, uns erfolgreich zu integrieren.“ SJD-Bundesjugendleiter Rainer Lehni war ebenso wie Kurt Wellmann (Öhringen) der Meinung, dass eine Namensänderung mit einer inhaltlichen Neuorientierung einher gehen müsse. Eine solche sei für sie nicht erkennbar, und deshalb lehnten sie eine „Namenskosmetik“ ab. Der Antrag auf eine Namensänderung scheiterte nach 1995 und 1999 nun bereits zum dritten Mal: Von 165 abgegebenen Stimmen waren 104 Delegierte dafür, 58 dagegen und 2 enthielten sich. 110 Stimmen wären nötig gewesen, um eine Satzungsänderung herbeizuführen.
                      


Seite drucken

Berichte

Veranstaltungen

Seitenanfang

© Copyright: Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg, 
  Internet: mailto:webmaster@siebenbuerger-ma-hd.de