die Siebenbürgische Zeitung schrieb 2012

 

Bildervortrag

„Vom Heiligen Land ins Baltikum.

Auf den Spuren des Deutschen Ordens“
 

Auf Einladung des Vorsitzenden der Kreisgruppe Mannheim – Heidelberg Hans-Holger Rampelt kam am 28.04.2012 Manfred Huber (u.a. Geschichtslehrer aus Hermannstadt und Freiburg) nach Heidelberg, um den Mitgliedern die Geschichte des Deutschen Ordens näher zu bringen.

Zunächst führte der Vortag in die Geschichte der Kreuzzüge und des Mönchsorden ein, denen Bernard von Clairveaux das theologische Rüstzeug 1129 zum „Heidenkampf“ gegeben hatte. Karten und Historienbilder erläuterten das Netzwerk des Deutschen Ritterordens zur Versorgung und Pflege der Kreuzfahrer sowie die Militarisierung der „Mönche“.

Dass der Ritterorden seine Basis im römisch-deutschen Reich hatte, Schenkungen und Häuser im östlichen Mittelmeer und im lateinischen Europa verwaltete, ging aus Landkarten sowie Reproduktionen hervor. Maßgeblich für die spätere Machtstellung des Ordens wurde die Konstellation Kaiser Friedrich II., Papst Innozenz III. und des 4.Hochmeisters Hermann von Salza als Ratgeber, der eine autonome Territorialpolitik verfolgte. Im Burzenland versagte sie 1225 am Widerstand des ungarischen Königs, an der Weichsel im späteren Preußen und im Baltikum hatte sie Erfolg aufgrund kaiserlich-päpstlicher Unterstützung.

 



Ritterrüstung in der Domkirche zu Königsberg (heute Kaliningrad)

wohin nach 1457 der Sitz des Hochmeisters aus Marienburg bei Danzig verlegt wurde.

Foto Manfred Huber



Die Bilder von Marienburg im Burzenland dienten dazu, die Präsenz der deutschen Kolonisten vor dem Ritterorden zu dokumentieren. Mit Bildern von Artefakten aus Akkon, Montfort, Marienburg an der Nogat, von Skulpturen, Grabsteinen, Werkzeugen und Waffen bis zum transportablen Madonnenschrein, dokumentierte der Vortrag auch den militärisch-religiösen Alltag der Ritter. An den Kriegszügen nahm „internationales“ Rittertum teil von England bis Polen, zu einer Zeit als die Ostsiedlung ihren Höhepunkt schon überschritten hatte (13.Jh.). Diese hatte im 12.Jh begonnen, nachdem schon 1100 keine nennenswerten Rodungsgebiete in Westeuropa zur Verfügung standen. Begleitet war dieser durchaus europäische Prozess (Siedler waren auch Niederländer, Dänen, Wallonen und Schotten) vom Drang der deutschen Fürsten über die Weichsel bis nach Livland zu gelangen. Und ohne Hilfe der hanseatischen Flotte mit ihrem Zentrum in Lübeck und ihrem Städtenetz wäre die Ostsiedlung nicht so rasch verlaufen. Bilder belegten die wirtschaftliche Effizienz des Ordensgebietes mit seinen 1000 Dörfern und 93 Städten (bis 1410).

Erst die Niederlage bei Tannenberg/Grunwald von 1410 gegen Polen-Litauen leitete die Krise des Ordens ein, dazu kam auch der Konflikt mit dem deutschen Patriziat und den geistlichen Territorien im Baltikum, so dass die Anerkennung der polnischen Lehenshoheit 1525 durch Hochmeister Albrecht von Brandenburg der Anfang des evangelisch-preußischen Staates einleitete. Plakate verdeutlichten am Beispiel Tannenberg/Grunwald den deutsch-polnischen Konflikt im 19.Jh. bis zum Beginn des II. Weltkrieges und danach.

Heute wird der Deutsche Orden des Mittelalters als internationaler geistlicher Orden verstanden, der mit den Mitteln seiner Zeit, d.h. mit Gewalt in den Gebieten der baltischen Pruzzen und Slawen missionierte und kolonisierte. Den Auflösungsversuchen durch Napoleon und Hitler konnte der Orden entgehen und überlebte nach 1945. Er existiert mit seinem Sitz in Wien (Hochmeister Dr. Bruno Platter) als geistliche Einrichtung mit über 2400 Mitarbeitern.

Im Anschluss wurden Orte gezeigt, die mit dem Ordensstaat eng verbunden waren. Von Danzig führte der Vortrag zum Hochmeistersitz (1309) nach Marienburg an der Nogat (Polen) und der Städte an der Weichsel: Marienwerder, Kulm und Thorn. Revue passierte auch Königsberg/ Kaliningrad, ehemalige ostpreußische-protestantische Universitätsstadt, nach 1457 Hochmeistersitz. Über die Heerstraße der Ordensritter durch die Kurische Nehrung (100km), führte die Reise nach Memel, vorbei am Ferienhaus von Thomas Mann, entlang der Bernsteinküste.

Im protestantischen Lettland mit Riga und Wenden ist deutsche Geschichte noch präsent: Rigaer Dom mit Domschule und Herder-Denkmal, alles genauso gut restauriert wie in Danzig. In Wenden steht die im 16.Jh. zerstörte Ordensburg mit der Kirche und Grablege des Deutschmeisters Walter von Plettenberg (+1538), der die russische Übermacht über 60 Jahre nach dem Sieg am Smolinasee „befrieden“ konnte. So konnten die deutschen Stände ihre evangelische Glaubensfrei-heit und Deutsch als Amtssprache bis 1891 im Russischen Reich bewahren.

Das kleine Estland bezauberte mit Tallin und seiner Altstadt, seinem Flair, seiner Akkuratesse. Beendet wurde der Vortrag mit einer Rückbesinnung auf das Schicksal der Baltendeutschen, die schon vor dem II. Weltkrieg „Heim ins Reich“ mussten. Das geschah in 2 Schüben zwischen 1939-41. Über 80.000 Baltendeutsche verließen ihre Heimat.
Dass die baltischen Länder , heute in der EU, ihre Eigenart bewahren konnten und sich gegen Russifizierung und Sowjetisierung behaupten konnten, so Huber, verdankten sie auch dem europäischen Erbe, in dem das Phänomen Deutscher Orden seine Rolle gespielt hatte.

von Ortwin Götz

 


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