die Siebenbürgische Zeitung schrieb

„Vortrag über den Odenwald"
 

Der gesamte Odenwald ist ein viel besuchtes Wandergebiet, was auch den Mitgliedern der Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg sehr wohl bekannt ist. So wurden im Laufe der Jahre schon mehrfach Ausflüge dahin unternommen, üblicherweise vom Ehrenvorsitzenden Hans Wester, langjähriger Vorsitzender der Kreisgruppe, organisiert.

 

Ehrenvorsitzenden Hans Wester

So ist es auch naheliegend, dass er zu einem reich bebilderten Vortrag ins „Hermann-Maaß-Haus“ in Heidelberg am 8. November d. J. einlud. Davon hier das Wesentliche: Der Odenwald liegt zwischen Rhein, Neckar und Main, in der Oberrheinischen Tiefebene mit der Bergstraße im Westen, dem Main und dem Bauland im Osten, der Rhein-Main-Ebene des Rheintalgrabens bei Darmstadt im Norden und Wiesloch im Süden. Der Norden und der Westen des Odenwaldes gehören zum südlichen Hessen, im Osten und im Süden erstreckt er sich nach Unterfranken und Baden hinein, verteilt sich also auf 3 Bundesländer.

In der Nord-Süd Richtung misst der Odenwald von Darmstadt über Heidelberg bis Wiesloch ca.70 km, von Ost nach West ca. 45 km, wobei das Maintal auf 33 km Länge eine klare Grenzlinie zum Spessart zieht. Gesamtfläche ca. 2.500 km². Die mittlere Höhe beträgt 400 m, die höchste Erhebung ist der Katzenbuckel bei Eberbach mit 626 m. Bei einer Bohrung in Speyer, die eigentlich auf die Produktion von Erdwärme abzielte, wurde in ca. 2.500 Metern Tiefe unerwartet Erdöl entdeckt. Das Öl liegt direkt unter der Stadt. Seit 2008 werden täglich rund 500 Tonnen Öl gefördert, Steigerung möglich.

Gesteine des Odenwaldes sind kristallinische Schiefer, vulkanischer Porphyr, Basalt. Ganze Hänge sind mit Granitblöcken übersät, sogenannte Felsenmeere, wie das bekannteste in Reichenbach in der Nähe von Bensheim. Bei Weinheim, Schriesheim und Dossenheim gibt es ein vulkanisches Gestein, den roten Porphyr, bei Heppenheim und Reichenbach Basalt, in Lindenfels und Groß-Bieberau Syenit - ein Tiefengestein, im Neckartal den roten Sandstein. Einst war das ganze Massiv des Odenwaldes mit seinen tiefen Taleinschnitten von Sandstein überlagert. Neckarsandstein, der in der Sonne von violetten bis zu sanft roten und gelben Tönen spiegelt, ist ein wunderbares Material, aus dem die romantischen Dome am Rhein erbaut wurden. Zement, ohne den die Welt von heute nicht mehr auskommt, wird bei Wiesloch aus Grundstoffen des kleinen Odenwaldes und des Kraichgaus fabriziert. In Millionen Jahren fielen Schalentiere auf den Meeresboden, diese wurden durch den enormen Druck zusammengepresst, so entstand der Kalksandstein. Nachdem das Wasser abgeflossen war, hatte sich am Meeresboden sehr viel Salz gesammelt. Man denke an die großen Salzvorkommen in Buchen, Bad König, Friedrichshall und andere.

Das Landschaftsbild des Kleinen Odenwaldes entspricht vollkommen der klassischen Bergstraße. Auch hier sind die Orte am Talausgang entstanden, und Funde weisen die Gegend als uralten Kulturboden aus, in den keltische, germanische und römische Vergangenheit eingegangen ist. Die Waldwege laden zu stundenlangen Spaziergängen unter dem Laubgewölbe des Hochwalds ein, zur Rast auf sonnigen Hängen oder am Bach im Wiesengrund.

Wer auf einem Streifzug durch den Odenwald aus dem höheren Teil des Gebirges, aus tief eingeschnittenen Tälern herauskommt und – sagen wir – bei Neckargemünd am Ortsrand des kleinen Odenwaldes entlang in den Kraichgau eindringt, wird den Zauber dieser Landschaft zwischen Neckar und Odenwald besonders eindringlich erleben. Die Gegensätze im Bild der Landschaft lassen den eigentümlichen Charakter der so verschiedenartigen Gebiete noch stärker hervortreten. Hier das dunkle, aufgetürmte Waldgebirge, dort die offene Weite eines Hügellandes.

Da der Odenwald von drei Flüssen eingerahmt wird, entsteht ein System von Wasserscheiden auf der Höhe des Berglandes. Bäche und Flüsse streben entweder dem Rhein zu, oder zum Main hin. Zu den wenigen Stillgewässern im Odenwald gehören der Marbach-Stausee in der Nähe von Beerfelden, der „Große See“ und der „Kleine See“ im Kurpark von Bad König, sowie der Eutersee bei Hesseneck. Die Pflanzen- und Tierwelt des Berglands gleicht im Wesentlichen der Flora und Fauna anderer deutschen Mittelgebirge. Buchenwälder, Laubmischwälder und Nadelmischwälder wechseln sich ab. Die typischen Vertreter mitteleuropäischer Wälder wie, Rehe, Rothirsche und Wildschweine sind auch im Odenwald zahlreich vertreten. Viele kleine Säugetiere tummeln sich im Laubwerk und an den Nadelbäumen. Hier kommen auch seltene Vogelarten wie die Ringdrossel, Tannenhäher, Zitronengirlitz, mehrere Spechtarten – wie auch der Grünspecht - Vogel des Jahres 2014, vor. Sie alle schätzen besonders den alten Baumbestand zur Nahrungssuche. Artenreich sind auch Greifvögel, Wanderfalken und Eulen vertreten, darunter auch seltene Tierarten wie Uhu, Raufußkauz, Sperlingskauz, Hohltaube, Waldschnepfe und Kolkrabe. Aber auch die ungiftige Äskulapnatter, die bis zu zwei Metern Länge erreicht und zu den größten Schlangenarten Europas gehört, gibt es im Odenwald. In seinen Bächen tummeln sich Forellen und andere Fische.

Auch Urzeitfunde gibt es im Odenwald. Am Eberbacher Scheuerberg wurde ein etwa 250 Millionen Jahre alter Fußabdruck im Buntsandstein entdeckt. Nach diesem spektakulären Urzeitfund begann eine systematische Recherche, die ergab, dass es sich um den rechten Hinterfuß-Abdruck eines sehr großen Sauriers handelte. Die Grube Messel im Landkreis Darmstadt-Dieburg, seit 1995 UNESCO-Weltnaturerbe, gilt als wichtiges Zeugnis der Entwicklungsgeschichte der Wirbeltiere, insbesondere der Säugetiere und damit auch des Menschen. In ihr dokumentiert sich die Zeit vor 57 bis 36 Millionen Jahren (Eozän), als nach dem Aussterben der Saurier sich Tier- und Pflanzenwelt der Erde umwälzend veränderten.

Die im Ölschiefer von Messel ungewöhnlich gut erhaltenen Fossilien umspannen das gesamte Spektrum der Lebewesen jener Epoche in einer Artenvielfalt und Qualität, wie sie weltweit von keiner anderen Fundstelle belegt ist. Bislang wurden dort Vertreter aller Wirbeltiergroßgruppen sowie Insekten und Pflanzen gefunden. Die bekanntesten Funde sind wohl das Urpferdchen, das Urzeitäffchen, das Riesen–Eichhörnchen u.a. In Mauer bei Heidelberg wurde der fossile Unterkiefer eines Urmenschen, das älteste Stück menschlicher Anatomie, ein über 500.000 Jahre alter Menschen–Kieferknochen, aus dem Sand ausgegraben, der bekannt wurde als der "Homo Heidelbergensis". Den Lesern dieses Artikels sei empfohlen, bei Gelegenheit hierher einen Ausflug zu machen.

von Ortwin Götz

 


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